· 4 Min. Lesezeit · Ingenieurbüro Kreher & Lindner

Über Schimmel, Feuchteschäden und Heizkosten wird viel gesprochen. Über Radon dagegen kaum, obwohl es das einzige Thema in dieser Reihe ist, das direkt mit Lungenkrebs in Verbindung steht. Radon ist nach dem Rauchen eine der bedeutendsten Ursachen für Lungenkrebs, und es ist weder sichtbar noch riechbar. Ob ein Gebäude betroffen ist, lässt sich ausschließlich durch eine Messung feststellen.

Was ist Radon und wie kommt es ins Haus?

Radon ist ein natürlich vorkommendes, radioaktives Edelgas. Es entsteht im Boden beim Zerfall von Uran, das in unterschiedlichen Konzentrationen in fast allen Gesteinen und Böden enthalten ist. Aus dem Untergrund steigt das Gas auf und dringt über erdberührte Bauteile in Gebäude ein: durch Risse in der Bodenplatte, undichte Rohr- und Kabeldurchführungen, Fugen, alte Natursteinkeller ohne Abdichtung oder unversiegelte Kellerböden.

Im Freien verdünnt sich Radon sofort und ist harmlos. In geschlossenen Räumen, vor allem in Kellern und Erdgeschossen, kann es sich dagegen anreichern. Die Zerfallsprodukte des Radons lagern sich beim Einatmen in der Lunge ab und bestrahlen das Gewebe.

Warum das Thema gerade in unserer Region relevant ist

Das Radonpotenzial hängt direkt von der Geologie ab. Die Region rund um Aachen ist dabei alles andere als einheitlich: Während Teile der Niederrheinischen Bucht eher unauffällig sind, weisen die Mittelgebirgslagen am Nordrand der Eifel, also der Süden der Städteregion Aachen, Teile des Kreises Düren und Euskirchen sowie die angrenzende belgische Eifel, geologisch bedingt ein erhöhtes Radonpotenzial auf. Wer in Kornelimünster, Walheim, Roetgen, Monschau, Simmerath oder im Raum Nideggen ein Haus mit Keller bewohnt, hat ein anderes Ausgangsrisiko als ein Bewohner im flachen Norden des Kreises Heinsberg.

Wichtig dabei: Karten und Prognosen beschreiben immer nur das Potenzial im Boden. Wie viel Radon tatsächlich in Ihrem Wohnzimmer ankommt, hängt vom konkreten Gebäude ab, von Baujahr, Abdichtung, Rissen und Lüftungsverhalten. Zwei Nachbarhäuser können sich um ein Vielfaches unterscheiden. Deshalb führt an einer Messung im Gebäude kein Weg vorbei.

Welcher Wert gilt als zu hoch?

Das Strahlenschutzgesetz nennt für Aufenthaltsräume und Arbeitsplätze einen Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) im Jahresmittel. Das ist kein Grenzwert mit Verbotscharakter, sondern ein Maßstab: Wird er überschritten, sollen Maßnahmen zur Senkung geprüft werden. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt aus Vorsorgegründen sogar, bereits ab 100 Bq/m³ zu handeln. Für Arbeitgeber gelten in ausgewiesenen Radonvorsorgegebieten zusätzliche Messpflichten für Arbeitsplätze in Keller- und Erdgeschossen.

So läuft eine Radonmessung ab

Die gute Nachricht: Radon zu messen ist unkompliziert und vergleichsweise günstig. Je nach Fragestellung setzen wir zwei Ansätze ein:

  • Langzeitmessung mit Exposimetern: Kleine passive Messdosen werden über mehrere Monate, idealerweise inklusive Heizperiode, in den relevanten Räumen platziert und anschließend im Labor ausgewertet. Das ist der anerkannte Weg zu einem belastbaren Jahresmittelwert.
  • Orientierende Kurzzeit- und elektronische Messungen: Sinnvoll, um schnell ein Lagebild zu bekommen, Eintrittspfade einzugrenzen oder den Erfolg von Maßnahmen zu kontrollieren, etwa nach einer Kellersanierung.

Als zertifizierte Radonfachperson (Berufsverband Deutscher Baubiologen VDB e.V.) planen wir die Messung so, dass das Ergebnis aussagekräftig ist, interpretieren die Werte im Kontext Ihres Gebäudes und leiten daraus konkrete Empfehlungen ab.

Was tun bei erhöhten Werten?

Erhöhte Radonwerte sind kein Grund zur Panik, aber ein klarer Handlungsauftrag. Das Spektrum der Maßnahmen reicht von einfach bis baulich:

  1. Lüftungsregime anpassen: Regelmäßiges, gezieltes Lüften der erdberührten Räume senkt die Konzentration oft schon deutlich.
  2. Eintrittspfade abdichten: Risse in der Bodenplatte, Durchführungen und Fugen radondicht verschließen.
  3. Nutzung anpassen: Aufenthaltsräume und Schlafplätze nicht dauerhaft in belastete Kellerräume legen.
  4. Technische Lösungen: Bei hohen Werten kommen Radonbrunnen oder Absauganlagen unter der Bodenplatte sowie kontrollierte Lüftung in Betracht.

Welche Maßnahme angemessen ist, ergibt sich aus der gemessenen Konzentration, den identifizierten Eintrittspfaden und der Gebäudenutzung. Auch hier gilt unser Grundsatz als unabhängiges Ingenieurbüro: Wir empfehlen, was messbar wirkt, und kontrollieren den Erfolg im Anschluss mit einer Vergleichsmessung.

Für wen ist eine Radonmessung sinnvoll?

  • Eigentümer und Familien mit ausgebauten Keller- oder Souterrainräumen (Hobbyraum, Büro, Kinderzimmer, Schlafzimmer)
  • Hauskäufer in der Voreifel und Eifel, als Baustein der Immobilienkaufberatung vor der Entscheidung
  • Arbeitgeber mit Arbeitsplätzen im Keller- oder Erdgeschoss, insbesondere in Radonvorsorgegebieten
  • Bauherren, die bei Neubau oder Kellersanierung Radonschutz von Anfang an mitdenken wollen

Häufige Fragen

Kann ich nicht einfach ein Messgerät aus dem Internet kaufen? Günstige elektronische Anzeigegeräte können einen ersten Eindruck geben, schwanken aber stark und ersetzen keine normgerechte Messung. Für belastbare Aussagen, etwa beim Hauskauf oder für Arbeitsplätze, braucht es eine fachgerecht geplante Messung mit anerkannter Auswertung.

Wie lange dauert eine Messung? Eine aussagekräftige Langzeitmessung läuft mehrere Monate. Orientierende Messungen liefern erste Ergebnisse innerhalb weniger Tage.

Mein Haus ist ein Neubau, bin ich sicher? Neubauten mit durchgehender, intakter Abdichtung schneiden meist besser ab, ein Automatismus ist das aber nicht. Auch hier entscheidet die Messung.


Radonmessung in Aachen, der Städteregion und der Eifel anfragen: 0241 579 136 0. Wir beraten Sie, welche Messstrategie zu Ihrem Gebäude passt.

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